Grundriß des Saales aus dem Jahre 1910

Der alte Grundriß " En de Kess" von 1910
Der alte Grundriß " En de Kess" von 1910

"Man soll die Feste feiern wie sie fallen", dachte sich Rene Weber, Eigentümer der Gaststätte "En de Kess", als er bei seinen Recherchen zur Geschichte des an der Bergstraße gelegenen Restaurants jetzt auf das Datum 1894 stieß. Eilends wurde die für den heutigen Mittwoch geplante Silvesterfeier in eine Jubiläumsparty umgewandelt. Denn Weber hatte damit den Nachweis erbracht, dass die "Kiste" in der Neujahrsnacht mit 11 mal 11 Jahren ein närrisches Jubiläum feiern kann. Doch das Restaurant ist noch älter. Denn ursprünglich lag die Gaststätte auf der anderen Straßenseite im Haus Bergstraße 8, das derzeit Anni und Herbert Paland gehört. Dort hatte der Gastwirt Wilhelm Herpertz einen im Souterrain gelegenen Raum als Gaststätte genutzt. 1894 wurde das Restaurant dann an die heutige Stelle verlegt. Mehr als 100 Jahre lang war die Traditionsgaststätte mit dem Namen Herpertz beziehungsweise Contzen verbunden. Als 2001 Hans und Maria Contzen das Restaurant an Guido Bodewig veräußerten, ging am Standort Bergstraße 9 eine 107-jährige Familiengeschichte zu Ende. Schließlich hatten in der zurück liegenden Zeitspanne mehrere Generationen aus der Familie Herpertz und der mit ihnen verwandtschaftlich verbundenen Familie Contzen die Gaststätte geleitet. Den Namen En de Kess - die genaue Namenherkunft ist unbekannt - hat das Restaurant nicht immer geführt. Davor hatte die Gaststätte die Bezeichnungen "Johann Herpertz", "Zum Sportplatz", "Hindenburg-Kampfbahn" und "Bergstraße" getragen: Zum Sportplatz deswegen, weil oberhalb an der Straße Trockener Weiher der Fußballplatz "Krakau" liegt. Ebenso wie heute war der Traditionsgaststätte in der Vergangenheit schon ein Saal und zwei Kegelbahnen angeschlossen. Diesen Saal hatte man schon im frühen 20. Jahrhundert als Kino genutzt. Das beweist ein aus dem Jahr 1910 stammender Grundriss der darüber Auskunft gibt, dass Johann Herpertz zu dieser Zeit seinen Saal als Vorführraum für Kinofilme nutzte. Denn ähnlich wie in anderen Städten hatte man damals auch in Stolberg neben den etablierten örtlichen Kinos in der Anfangszeit auch Gaststättensäle für die Präsentation der neuartigen Bildstreifen genutzt. Als 2008 Rene Weber und sein Vater Fritz das Haus Bergstraße 9 übernahmen, war die Gaststätte schon einige Jahre außer Betrieb und die Bausubstanz dementsprechend vernachlässigt. Die überwiegend in Eigenleistung erbrachten Umbaumaßnahmen sorgten in der Folgezeit aber dafür, dass Gaststätte, Saal und Kegelbahnen ein neues, modernes Gesicht erhielten. Dazu gehörte beispielsweise auch die Installation von umfangreichen Lärmschutzeinrichtungen. Für 2015 ist die Reaktivierung und Neueinrichtung des in Richtung "Josef-von-Görres-Straße" gelegenen Gartengeländes geplant. 

 
BOX: Mehr über die Geschichte der Gaststätte "En de Kess" kann man in dem 2012 erschienenen Buch von Katharina und Helmut Schreiber "Werden und Wachsen, Handel und Wandel in Stolbergs Mitte - Teil 1, Die Burg und die Altstadt am Fuße des Burgfelsens" erfahren. Das 320-seitige Werk kostet 20 Euro und ist unter der ISBN-Nummer 978-3-941704-23-7 im örtlichen Buchhandel erhältlich.
 

BU: Närrisches Jubiläum: Die Gaststätte "En de Kess" feiert am Standort Bergstraße 9 ihr 11 mal 11-jähriges Bestehen.

Wir haben die Traditionsgaststätte wieder zum Leben erweckt...

Die neue Innenausstattung erinnert an Erzbau, Brauereien und Handwerkskunst, die alte Trationen der Kupferstadt...